Angst und Entspannung

Im nicht-pathologischen Ausmass ist die Angst eine natürliche Reaktion von uns Menschen und per se so nicht als schlecht zu werten. Im Gegenteil, sie hat eine Warnfunktion, die die Bewältigung von Gefahrensituationen möglich macht.
Die Angst wird dann zu einem Krankheitsbild, wenn sie über einen längeren Zeitraum auftritt und sich in einer unangemessenen Intensität zeigt. Als Störungsbild beinhaltet die Angst diverse Diagnosen wie z.B. die Generalisierte Angststörung, die Panikstörung, Phobien, aber auch die Hypochondrische Störung oder die Posttraumatische Belastungsstörung. Übergeordnet wird das Angstsyndrom in zwei Arten unterteilt: das primäre Angstsyndrom, welches ein eigenständiges Krankheitsbild darstellt und das sekundäre Angstsyndrom, das einer körperlichen Grunderkrankung unterliegt.
Die Symptome der Angststörung sind extrem vielfältig und je nach Person unterschiedlich ausgeprägt. Sie reichen von einem ständigen diffusen Unbehagen, über Gedanken des Katastrophisierens bis hin zu heftigen Attacken mit starken vegetativen Begleiterscheinungen.
Ein gefährlicher Teufelskreis, der sich aus diesen Symptomen mit der Zeit ergeben kann, ist die sogenannte Angst vor der Angst. Der Betroffene weiss, dass er in einer spezifischen Situation Angst bekommt und möchte sowohl der Situation an sich, aber vor allem auch den damit einhergehenden Symptomen nicht restlos ausgeliefert sein. Aus diesem Grund beginnt er, ein Vermeidungsverhalten aufzubauen. In Extremfällen – zum Beispiel bei Phobikern – führt das bis hin zur Isolation. Dies wiederum kann weitere psychosozialen Belastungssymptomen hervorrufen..

Wo setzt die Entspannung an?
Auch hier gilt: Praktisch überall!
Die Angstreaktion geht mit einem erhöhten inneren Anspannungs- und Unruhepegel einher. Entspannungsverfahren reduzieren diesen massgeblich und unterbrechen den kognitiven Aufschaukelungsprozess des Teufelskreises. Des Weiteren gleichen sie die Emotionen aus und lässt den Menschen eine Distanz zu seinem angstgefärbten Stimuli aufbauen. Dies weil er seine Aufmerksamkeit dann nicht mehr auf den Auslöser, sondern auf seinen Körper richtet.
An dieser Stelle soll betont werden, dass ein entspannter Körper keine Angst aufbauen kann. Wo eine physiologische Entspannungsreaktion durch das Anwenden eines Entspannungsverfahrens induziert wird, kann keine Angstreaktion entstehen. Das ist ein psychophysiologisches Gesetz. Unter anderem aus diesem Grund ist das Entspannungsverfahren ein bewährtes Instrument, um bei Angstpatienten als Coping-Skill in akuten Situationen zu fungieren. (Systematische Desensibilisierung) Dies aber nur unter der Voraussetzung, dass der Betroffene das Verfahren in seiner Anwendung beherrscht. Diese Vorgehensweise wird in einem separaten Artikel detaillierter erläutert.
Die Progressive Muskelentspannung ist ein handlungsaktives Verfahren, das bei Menschen mit Angststörungen gerne angewendet wird. Der Betroffene führt eine aktive Handlung aus, indem er z.B. die Fäuste ballt und seine Aufmerksamkeit auf dessen Empfindungen lenkt. Handlung bindet die Angst – ebenfalls ein Gesetz – und gibt damit dem Patienten die Kontrolle zurück. Er lernt damit, selbstwirksam seiner Angst entgegenzuwirken. Gerade bei Angspatienten ist es sehr wichtig, ihnen diese Kontrolle wieder zu übergeben und ihnen hierbei wieder das (Selbst)vertrauen vor Augen zu führen. Dank dem Entspannungsverfahren wird es dem Betroffenen möglich, zu erfahren, dass er selbst alles unter Kontrolle haben kann.
Das Autogene Training wird gerne bei situationsbezogenen Ängsten angewendet. Dies vor allem in Form von sogenannten Formelhaften Vorsätzen, also individuell entwickelte Leitsätze oder «Codewords». Auch zu diesem Thema folgt zu einem späteren Zeitpunkt ein separater Artikel.
Die Achtsamkeits-Interozeption unterstützt den Betroffenen zum einen schon prophylaktisch, indem es den inneren Anspannungs- und Unruhepegel nachhaltig senkt und die Emotionsregulation massgeblich fördert, zum anderen aber auch in einer «Akutsituation» durch das bewusste Hinlenken der Aufmerksamkeit in den Körper und durch die damit aufgebaute Distanz zur Bedrohung.

Jeder Mensch hat in seinem Leben einmal Angst. Das ist natürlich und fliesst in das Leben hinein. Wenn diese jedoch über einen längeren Zeitraum anhält oder zusätzliche körperliche Beschwerden mit sich zieht, sollte nicht lange gezögert werden, dies bei einem Arzt fachlich abzuklären. Deiner Gesundheit zuliebe!

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