üben

So klappt`s auch mit dem Üben

Das Kennenlernen eines Entspannungsverfahrens ist die eine Seite der Geschichte. Aber das konsequente Üben und Verinnerlichen dessen die zweite Seite und zusammen ergeben sie einen tollen Roman.
Doch das mit dem Üben ist immer so eine Sache: Entweder hat der Tag zu wenig Stunden oder die Woche zu wenig Tage. Manchmal geht die Motivation etwas Flöte und lässt sich nur schwer wieder finden, oder es stecken unbewusste Widerstände dahinter, die zuerst erkannt und aufgelöst werden sollten.

Grundsätzlich kann die Zeit, in der du ein Verfahren erlernst in drei Phasen unterteilt werden.
In der ersten Phase bist du äusserst motiviert und neugierig. Du möchtest die Methode genau kennen lernen und übst diszipliniert. Erste Fortschritte und positive Auswirkungen sind bereits zu erkennen.
Irgendwann ist dieser Höhepunkt erreicht und du hast mit der sogenannten „Plateau-Phase“ zu kämpfen. In dieser Phase gelangst du an einen Punkt, an dem die Fortschritte auch nicht mehr so richtig erkennbar sind – es geht irgendwie nicht weiter. Hier entstehen die meisten Drop-outs. Wenn du in Betreuung einer qualifizierten Fachperson bist, kann dich diese auffangen und mit dir zusammen das für dich passende weitere Vorgehen erarbeiten.
Hast du auch diese Phase überwunden, geht`s wieder besser vorwärts.
In der dritten Phase bist du schon ein gekonnter Anwender und das Verfahren wird verinnerlicht. Es geschehen physiologische und neuroplastische Anpassungen im Körper und Gehirn. Du hast die Entspannung fest in deinen Alltag eingebunden.
Bis es soweit ist, werden Hürden des Übens überwunden. Wie du diese überwinden kannst, liest du in den folgenden Zeilen.

Termin mit dir selbst
Und am Ende des Tages kommt dir in den Sinn: „Ach da war doch noch was mit dem Üben. – Aber nee, ich mag doch jetzt gar nicht mehr.“
Diesem Szenario kannst du etwas entgegenwirken, indem du bereits zu Beginn einen Termin mit dir selbst in deine Agenda einplanst. So kommt dir nichts dazwischen und du integrierst es automatisch in deinen Alltag. Dieser Termin wird nicht abgesagt oder verschoben. Er ist genau so wichtig wie andere Termine – es geht schliesslich um deine Gesundheit!

Dein Ruheort finden
Zum Üben brauchst du unweigerlich Ruhe. Jegliche Störfaktoren sollten vorab entfernt werden. Erschaffe dir deshalb für die Zeit, in der du das Verfahren erlernst, einen persönlichen Ruheort. Wenn du Familie hast, dann kommuniziere ihnen offen, dass dies während deines persönlichen Termins dein Platz ist und du die Ruhezeit für dich brauchst. Ist Seitens von Kindern oder dem Partner Neugierde da, dann lass sie in einer separaten Einheit teilhaben und zeig ihnen, was du da machst.
Dein Handy, sämtliche Unterhaltungsgeräte und Utensilien, die dich während der Session ablenken könnten, entfernst du vorab von deinem Ort.

Ritualisieren
Magst du dich daran erinnern als du ein Kind warst, wie das Zubettgehen bei euch Zuhause von statten ging? Pyjama anziehen, Zähneputzen, Gute-Nacht-Geschichte in irgend einer Form oder ein sonstiger Gute-Nacht-Ablauf? Das war ein richtiges Ritual. Jeden Tag. Bis auf Ausnahmen immer etwa zur gleichen Zeit. Rituale geben uns Menschen Sicherheit. Wenn du das Entspannungstraining ritualisierst, hast du zum einen dein unbewusstes Sicherheitsbedürfnis gedeckt und ermöglichst deinem Körper, sich an dieses Ritual zu gewöhnen. Entsprechend fällt dir mit der Zeit das Üben immer leichter. Zu Beginn kann es hilfreich sein, wenn du dein persönliches Entspannungsritual immer etwa um die gleiche Zeit und am gleichen Ort durchführst. Im Fortgeschrittenen Stadium macht es durchaus Sinn, den Übungsort und die Übungszeit zu wechseln, aber nicht, wenn du erst damit beginnst.

Erfolge festhalten
Der Mensch ist ungeduldig. Je länger je mehr. Das hat unter anderem auch mit der heutigen Generation zu tun, die ständig und überall erreichbar ist. Der Mensch will Ergebnisse sehen – möglichst schnell. Kommt es vor, dass diese mal ausbleiben, wird das Tuch geworfen. In solchen Fällen kann das Führen eines kleinen „Erfolgstagebuches“ Abhilfe schaffen. Halte die noch so kleinen Erfolge, in irgend einer Form fest. Notiere sie in einem separaten Notizbuch, sprich sie dir aufs Handy (aber erst wenn du fertig geübt hast. Das Handy liegt ja ausserhalb deines Raumes 😉 ), zeichne sie dir auf ein Flipchart oder sei sonst kreativ. Mit diesem Tool kannst du deine Motivation fördern und unterstützt sogleich deine betreuende Fachperson für die gemeinsame Arbeit.

Schule deine Akzeptanz
Besonders ambitionierten, perfektionistischen Menschen fällt es sehr schwer, zu akzeptieren, wenn es mal nicht so klappt, wie sie sich das vorstellen. (Zu) hohe Ansprüche an sich selbst stellen hier ein Hindernis dar. Aber hey: es ist okay, wenn du auf deinem Weg auch mal eine Abzweigung nimmst. Vielleicht bringt diese wertvolle Erfahrungen mit sich, denen du auf direktem Weg nicht begegnet wärst.
Es ist okay, wenn eine Übungseinheit mal nicht so läuft, wie sie sollte. Es ist okay, wenn das Üben mal abgebrochen werden muss. Und es ist okay, wenn die Anzeichen der Entspannungsreaktion mal nicht so ausgeprägt sind, wie sie es bei vorherigen Übungseinheiten waren. Das sind alles neue Erfahrungen. Das Akzeptieren der momentanen Situation und deiner Empfindungen ist enorm wertvoll und lässt dich nicht auf deinen eigenen Füssen stehen.

Es ist vollkommen erlaubt, einen Termin mit sich selbst zu vereinbaren, um am persönlichen Ruheort das Entspannungsritual auszuleben. Du musst es nur zulassen.

Gönne dir eine Auszeit, deiner Gesundheit zuliebe!
Larissa

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